(c) Dirk Skiba 2014        

 

           

MARJANA GAPONENKO

Gnädigste Zarin Katharina Alexejewna, 

sanft und geräuscharm wie eine Unterwasserwelt kommt dem Menschen seine eigene Vergangenheit vor, und wenn er weiter zurückschaut und sich die Wirklichkeit, die seine Vorfahren betraf, vorzustellen versucht, die zahnlose und immer reinliche Urgroßmutter mit Kopftuch, die man noch kannte, ihre Eltern, Großeltern und Urgroßeltern, blinkende Goldknöpfe in der Menschenmenge, wenn man sich kraft seiner Fantasie und der Bildung in diese Tiefe begibt, wird es erstaunlicherweise lauter und bunter, je weiter man vordringt, und ganze Städte und Reiche ziehen an einem dröhnend und stöhnend vorbei, mit Baumwurzeln, von denen Erdklumpen und kleine Steine rieseln. All das erscheint wichtiger und bedeutender als das eigene Leben, man glaubt einen Sinn in der Weltgeschichte zu erkennen, man glaubt Zusammenhänge zu sehen. Man braucht diese Ordnung

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(aus: "Brief an Katharina die Große im Angesicht der Ereignisse in Kleinrussland")

(c) Burgtheater Wien 

 
    
    

 

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